butoh

Natascha Wöss

Butohtanz




Butoh kommt aus dem Japanischen und heißt soviel wie "stampfender Tanz". Diese Übersetzung ist jedoch nur rein symbolisch zu betrachten. Butohtanz unterscheidet sich vom traditionellen japanischen Tanz durch seinen regelfreien und improvisierenden Charakter. Butohtanz ist keine Technik, sondern persönlich, individuell, formlos und frei. Der Körper, das Gefäß unserer Seele, füllt sich ständig mit Erinnerungen, Erfahrungen und Gewohnheiten in enger Verbindung mit all unseren Gefühlen. Butoh sucht den Ausdruck der Seele, den Zustand zwischen Innerlichkeit und äußerer Welt. Das Bewußtwerden und das Anwenden der eigenen persönlichen Qualitäten stehen im Mittelpunkt.

Der Butoh-Tanz entstand Ende der fünfziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts im Miliieu der künstlerischen Avantgarde in Tokyo. Seine Begründer waren Hijikata Tatsumi und Ono Kazuo, welche trotz zahlreicher gemeinsamer Auftritte sehr unterschiedliche Stellungen einnehmen: Ono, Einzelgänger und Legende des Improvisations-Butoh, ist durch zahlreiche Auslandsgastspiele auch international bekannt geworden. Der 1986 verstorbene Hijikata hingegen, der durch seine Gruppenchoreografien das typische Erscheinungsbild des Butoh entscheidend geprägt hat, ist nur in Japan jedem Tanzinteressierten geläufig.
Butoh wurde von emigrierten und reisenden Performern in der Welt verbreitet. Im Entstehungsland Japan hingegen verwischen sich allmählich die Spuren dieser ohnehin nie ganz aus dem „Underground“ emporgetauchten Tanz-Avantgarde. Die ursprüngliche Bezeichnung war Ankoku-Butoh oder Tanz der Dunkelheit; Butoh löste sich einerseits von den eigenen, traditionellen wie den modernen Tanztechniken, andererseits sind deren Einflüsse unumstritten. Gesellschaftliche Tabuthemen wie Krankheit, Tod, Elend, Gewalt, Sexualität wurden aufgegriffen und das Bild des morbiden Körpers entstand.
"Buyoh" ist der allgemein verwendete Begriff für den traditionellen, bestimmten Regeln unterworfenen japanischen Tanz. Die Wahl des Begriffes "Butoh" sollte den Unterschied markieren. Er bedeutet „stampfender Tanz“ und drückt dessen improvisierenden und regelfreien Charakter aus. Butoh-Tanz ist keine Technik, sondern persönlich, individuell und formlos. Der einzelne Tänzer und seine persönliche Biografie ist die Quelle seiner Kunst – nicht im Sinn individueller Narration, vielmehr universaler Gemeinschaft. Seine Einheit mit der belebten und unbelebten Natur (wie Zen sie lehrt) wird bis zur Entpersönlichung des Künstlers, bis zur Verdinglichung seines Körpers getrieben. Butoh sucht den Zustand zwischen Innerlichkeit und äußerer Welt, den Zustand in den der Körper geraten ist, das „wahre Selbst“.



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